ISAB-INSTITUT


Hauptmenü

 
. Erfahrungswissen für Senioren
Ostsee Anzeiger 16.02.05
Druckversion   Druckversion

Ein Prise Stress muss sein

Seniortrainer Martin Langer mit neuem Projekt für Schulen

Kühlungsborn - „Als ich vor fünf Jahren in Rente ging, war ich froh. Endlich ausruhen, schlafen, meinen Hobbys frönen. Das ging ein halbes Jahr gut. Dann aber wurde ich einsam. Ich war es gewöhnt, gebraucht zu werden, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Geben und Mitnehmen. Ich sagte mir: Mensch Martin, das kann's doch nicht gewesen sein. Nur Hobbys? Nein", erinnert sich der Kulturwissenschaftler, der vor der Wende beim FDGB-Feriendienst beschäftigt war und später als Vertriebsleiter einer Firma arbeitete. Damals suchte der Weiße Ring noch ehrenamtliche Mitarbeiter. Martin Langer meldete sich.
2002 verabschiedete die Bundesregierung im Rahmen der Kampagne „Alt für Jung" das EFI-Projekt (Erfahrungswissen für Initiativen), mit dem pensionierte Hoch- und Fachschulkader zu Seniortrainer ausgebildet wurden. Martin Langer war einer der ersten Stunde - vom Weißen Ring delegiert. In Schwerin erhielt er 2002 das Zertifikat und damit auch die Frage: Was wollt ihr machen? Martin Langer ging zielbewusst an die Erarbeitung des eigenen Projektes. Zuvor aber galt es eigene Fragen zu beantworten: Was will ich? Was kann ich? Was wird gebraucht? Was ist möglich? „Kann man diese systematisch analysieren, ist der Erfolg gesichert", weiß der engagierte Mann. Präventionsarbeit sollte es sein, als Mitglied des Präventionsrates im Landkreis liegt dieses Ziel natürlich sehr nahe. „Wissen Sie, es wird immer dann eine Kampagne gestartet, wenn das Kind längst in den Brunnen gefallen ist. Vorbeugen ist doch immer besser als heilen."
Sein erstes Projekt läuft nun langsam aus. Träger war die Volkssolidarität und es ging um das Thema „Nepper, Schlepper, Bauernfänger". Senioren wurden über Tricks aufgeklärt, erhielten Verhaltensregeln und diese hängen heute noch bei so manchem Senior am Schlüsselbrett. „Mit meinem zweiten Projekt, was bereits angelaufen ist, habe ich mich auf die Schulen gestürzt. Träger ist hier der Weiße Ring." Auslöser war die Aussage eines Lehrers im Präventionsrat, dass der Ton an den Schulen immer rauer werde. Langers Präsentation erhielt das Urteil: Bestens, weil Drohen mit erhobenem Daum nicht sein Anliegen ist. Schüler sollen sich selbst mit ihrem Verhalten erkennen, Demütigungen, Hänseleien, verbale Beschimpfungen spüren. Am besten geht das natürlich mit Rollenspielen, sagt Langer und hat das bereits im Kühlungsborner Gymnasium und auch in Kröpelin an der Schule durchgeführt. „Ich frage: Was empfindest du, wenn man dich mobbt, beschimpft oder rumschubst? Und wenn die Antwort lautet, das mache ich nie wieder, habe ich mein Ziel erreicht." Langer geht nicht unvorbereitet in die Schulen. Schwerpunktprobleme werden zuerst ermittelt, ob Zerstörungswut, Diebstahl, Mobbing an der Tagesordnung stehen und sucht dafür die entsprechenden Rollenspiele aus. Zumeist steht dafür der Sozialkundeunterricht zur Verfügung. Viel lieber wäre es ihm, wenn es an einem Nachmittag in lockere Atmosphäre stattfinden könnte. Das Reden miteinander würde leichter sein, vielleicht auch effektiver. Für seine Arbeit als Seniortrainer gibt es kein Geld, will er auch nicht - viel mehr, dass sich was ändert. „Ich habe sogar schon Beifall von Schülern erhalten. Was will ich mehr", schmunzelt der agile Senior, der den Schülern so ganz nebenbei erklärt, welche Aufgabe der Weiße Ring hat: Hilfe den Opfern von Straftaten geben. „Ich möchte, dass ihr weder das eine noch das andere werdet!"
Eva-Maria Reinhardt
Infos für Schulen des Landkreises und Rostock: « 038293/ 16467; E-Mail: langermal@freenet.de

Für die Werbekampagne „ 4/f für Jung" gab es ein Casting. Martin Langer fuhr nach München und wurde zum Vorzeige-Senior auf Plakaten, Flayern, in den Medien. „Ich bin mode. Aber langsam reicht's. Es soll wieder Ruhe einziehen, ich will arbeiten." Aber dennoch, Anerkennung für ehrenamtliche Arbeit ist ein guter Lohn, zuweilen auch der einzige. Aber das stört den agilen Pensionär nicht, denn er will, dass sich etwas verändert. Er gehörte zu den 20 Trainern der ersten Stunde, die heute noch Kontakt miteinander pflegen. So auch mit Dr. Renate Billinger-Cromm aus Wustrow, die sich als Seniortrainerin Kunstprojekten verschrieben hat. Jetzt ganz verstärkt an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Foto: Reinhardt


ISAB-Institut
Overstolzenstraße 15 | 50677 Köln | Tel.: 02 21/41-20 94 | Fax: 41-70 15
http://www.isab-institut.de | email: isab@isab-institut.de