Senioren unterrichten an HMT
Ein besonderes Angebot für HMT-Studenten: „Figuren-Gespräche" mit
Mitgliedern der Seniorenakademie erhellen Hintergründe zweier Opern-Libretti.
Rostock (OZ) „Ich möchte später einmal den `David´ aus
Richard Wagners, Die Meistersinger von Nürnberg' singen." Für
David Ameln (26), Gesangsstudent an der Rostocker Hochschule für Musik und
Theater (HMT), lag es nahe, an den „Figuren-Gesprächen" teilzunehmen.
Diese beschäftigen sich mit den historischen Hintergründen rund um
Stoff und Inhalt zweier Opern-Libretti. Neben den „Meistersingern" auch
mit der „Margarete" von Charles Gounod.
Dieses Lehrangebot an der HMT ist ein ganz besonderes: Drei Mitglieder der Seniorenakademie
an der Uni Rostock machten sich fit rund ums Mittelalter und geben ihr Wissen
an die Studenten weiter. Die kommen freiwillig, auch ohne Aussicht auf einen
Teilnahme-Schein. „Ich bin aus reiner Neugier dabei", erzählt
Konstantina Stankow (27). Sie ist von dem Seminar genauso begeistert wie ihre
Kommilitonen.
Und wie die Dozenten. „Das ist eine echte Herausforderung, und Spaß macht
es auch", urteilt Günter Schultz (63). Der einstige Mathematiker an
der Uni Rostock zeigt den HMT-Studenten auf, wie es um Wissenschaft, Technik
und Kommunikation im Mittelalter bestellt war. Dr. Renate Billinger-Cromm vermittelt
Wissenswertes aus Philosophie, Kunst und Lebensweise. Die 65-jährige Kultursoziologin
ist Cheforganisatorin dieses EFI-Projektes. EFI steht für „Erfahrungswissen
für Initiativen" - ein Modellprojekt des Bundesministeriums für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Ziel: Ältere Menschen reichen
ihren großen Erfahrungsschatz weiter, freiwillig und ehrenamtlich. Die
Rostocker EFI-Agentur ist gemeinsam mit der HMT Träger der „Figuren-Gespräche",
die außerdem vom Landes-Sozialministerium und vom HMT-Förderverein
unterstützt werden.
„
Dreimal pro Woche ins Fitness-Studio zu gehen, reicht nicht aus. Man muss auch
den Kopf trainieren", begründet Dr. Billinger-Cromm ihr Engagement. „Außerdem
ist das Gefühl, gebraucht zu werden, für mich sehr wichtig." Auch
die Studenten haben nur Komplimente: „Die Atmosphäre ist sehr locker.
Hier kann man auch mal eine blöde Frage stellen", lobt Julia Stielow
(28). „Kompakt und sehr anschaulich vermitteln uns die Dozenten ihr Wissen.
Ich habe viel Zeit gespart", ergänzt Gesangsstudentin Antje Seele (26).
Die zwölf Gesprächsrunden finden im Frühjahr ihr Ende in einem
Abschlusskolloquium. In einem sind sich Studenten und Dozenten aber bereits heute
schon einig: Die Zeit war zu knapp. A. NEUTZLING
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