Wissen vermitteln können
Ehrenamtliches Engagement von Senioren zum Nutzen aller
Rostock/rb iv. „Als ich in den Ruhestand ging, habe ich gedacht, endlich
kannst du ausschlafen und dich all deinen Hobbys widmen. Nach einem halben
Jahr war ich über die Maßen ausgeschlafen und auch meine Hobbys
begannen mich nicht mehr auszufüllen. Ich wollte was tun, für mich
und andere."
Martin Langer (Jahrgang 38) spricht aus. was ihn und andere dazu bewogen hat,
wieder in ein gesellschaftlich aktives Leben zurückzugehen. Präventionsarbeit,
das kann und wollte Martin Langer gern machen. Zunächst vermittelte er
auf verschiedenen Veranstaltungen älteren Menschen auch mittels eigens
hergestellter Handzettel, wie sie sich schützen müssen, um nicht
den sogenannten Bauernfängern und Betrügern in die Hände zu
fallen. Mit seinem Projekt. Prävention für potentielle Gewaltsituationen
bezogen auf ältere Personen", will er „... den Senioren ihr
Selbstvertrauen wieder geben, um sie gegen Diskriminierungen stark zu machen".
Doch damit ließ er es nicht bewenden. Nach einem Grundkurs mit der Ausbildung
zum seniorenTrainer ist Martin Langer in einem zweiten Projekt tätig.
Diesmal an Schulen. Hier geht es um Fragen der Prävention gegen potentielle
Gewalt an den Schulen. Mit Hilfe von Videos spricht der lebenserfahrene Mann
mit den Schülern der Klassen fünf bis acht z.B. über Mobbing,
Sachbeschädigungen, Aggressionen oder Erpressung. Zu den einzelnen Themen
sind immer klare Lernziele formuliert, wie u.a. Rollenspiele, Aussagen zur
Situation, Erfahrungen und Schlussfolgerungen der Schüler. Zahlreiche
Schulen im Landkreis u Bad Doberan haben das Angebot von Martin Langer bereits
genutzt.
Ingrid Faust (Jahrgang 40) ist über die Rostocker Seniorenakkademie in
das EFI-Projekt gekommen. „Ich wollte weitergeben, was ich kann und dazu
haben mich auch die Pisa-Ergebnisse ermutigt". Die ehemalige Lehrerin
nennt ihr Projekt „Abenteuer: Vorlesen". In zwei Kindereinrichtungen
liest sie den Kindern aus Büchern vor, vermittelt und erklärt ihnen
die Inhalte und bringt ihnen auf fantasievolle Weise bei, Geschichten auch
eigenständig weiter zu entwickeln. Das bereitet den Kindern sehr viel
Freude. „Damit nehme ich den Erzieherinnen keineswegs die Arbeit ab oder
greife in ihre Arbeit ein, ich sehe meinen Beitrag lediglich als eine Ergänzung
zum Tagesablauf, der gut angenommen wird."
Benno Gütschow (Jahrgang 34), hat vor einigen Jahren seinen Wohnkreis
verändert und ist aufs Land gezogen. Als eingefleischter Ehrenamtler ist
es ihm ein Bedürfnis, die in der Gemeinde lebenden Senioren einander näher
zu bringen. So organisiert er Grillnachmittage, themengebundene Tagesfahrten,
plattdeutsche Nachmittage und ist jetzt dabei, sich konkret einzubringen, damit
das Gebiet um Kösterbeck als Naturparadies noch besser genutzt werden
kann.
Auch für Dr. Renate Billinger-Cromm (Jahrgang 39) könnte der Tag
noch sehr viel mehr Stunden haben. Sie engagiert sich in den Bereichen Kunst
und Kultur. Schon seit 2002 führt sie in Zusammenarbeit mit einem Partner
aus Schweden Schwedisch-Deutsche Workshops durch. Die Senioren aus Schweden
und Mecklenburg-Vorpommern kommen sich nicht nur näher, sie erlernen und
erweitern auch ihre künstlerischen Fähigkeiten wie beispielsweise
die Radiertechnik. Eine Ausstellung im Sozialministerium in Schwerin macht
deutlich, welche Arbeiten über die Grenzen hinweg entstanden sind. In
einem weiteren Projekt gibt sie ihr pädagogisches Erfahrungswissen an
eine Gruppe von Studenten der Hochschule für Musik und Theater, die einen
pädagogischen Abschluss anstreben, weiter. Hierbei geht es vor allem um
die Vermittlung von gesellschaftlichem Breitenwissen bezogen auf verschiedene
Bereiche. Beispielsweise über das Mittelalter in Verbindung mit den Opern „Margarete4'
von Charles Guonod und „Die Meistersinger von Nürnberg" von
Richard Wagner.
Innerhalb des EFI-Programms gibt es neben den hier vorgestellten noch viele
andere Projekte, an denen die ..seniorTrainer/in" wirken und das auch
gern tun. Dennoch, das große Potential, das bei der älteren Generation
vorhanden ist, wird bei weitem noch nicht ausgereizt. Vielfach, so beklagen „seniorTrainer/in",
ist das Bundesmodellprojekt noch nicht bis in die Amtsstuben vorgedrungen.
Engagierte Senioren stoßen oftmals auf Unverständnis und verschlossene
Türen, vor allem dann, wenn es um Unterstützung geht, auch in finanzieller
Hinsicht. So wird auf der einen Seite Mitwirkung gefordert, andererseits fühlen
sich viele mit ihrem Engagement alleingelassen. Mit übergroßen und
teuren Werbeplakaten, die allenfalls gut nach außen wirksam sind und
Kursen allein ist es nicht getan. Die Kommunen und Gemeinden haben auch eine
Pflicht, daran teilzuhaben, dass noch mehr Ruheständler von der kreativen
Unruhe gepackt werden.
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