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. Erfahrungswissen für Senioren
Blitz 06.02.05
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Wissen vermitteln können

Ehrenamtliches Engagement von Senioren zum Nutzen aller

Rostock/rb iv. „Als ich in den Ruhestand ging, habe ich gedacht, endlich kannst du ausschlafen und dich all deinen Hobbys widmen. Nach einem halben Jahr war ich über die Maßen ausgeschlafen und auch meine Hobbys begannen mich nicht mehr auszufüllen. Ich wollte was tun, für mich und andere."
Martin Langer (Jahrgang 38) spricht aus. was ihn und andere dazu bewogen hat, wieder in ein gesellschaftlich aktives Leben zurückzugehen. Präventionsarbeit, das kann und wollte Martin Langer gern machen. Zunächst vermittelte er auf verschiedenen Veranstaltungen älteren Menschen auch mittels eigens hergestellter Handzettel, wie sie sich schützen müssen, um nicht den sogenannten Bauernfängern und Betrügern in die Hände zu fallen. Mit seinem Projekt. Prävention für potentielle Gewaltsituationen bezogen auf ältere Personen", will er „... den Senioren ihr Selbstvertrauen wieder geben, um sie gegen Diskriminierungen stark zu machen". Doch damit ließ er es nicht bewenden. Nach einem Grundkurs mit der Ausbildung zum seniorenTrainer ist Martin Langer in einem zweiten Projekt tätig. Diesmal an Schulen. Hier geht es um Fragen der Prävention gegen potentielle Gewalt an den Schulen. Mit Hilfe von Videos spricht der lebenserfahrene Mann mit den Schülern der Klassen fünf bis acht z.B. über Mobbing, Sachbeschädigungen, Aggressionen oder Erpressung. Zu den einzelnen Themen sind immer klare Lernziele formuliert, wie u.a. Rollenspiele, Aussagen zur Situation, Erfahrungen und Schlussfolgerungen der Schüler. Zahlreiche Schulen im Landkreis u Bad Doberan haben das Angebot von Martin Langer bereits genutzt.




Ingrid Faust (Jahrgang 40) ist über die Rostocker Seniorenakkademie in das EFI-Projekt gekommen. „Ich wollte weitergeben, was ich kann und dazu haben mich auch die Pisa-Ergebnisse ermutigt". Die ehemalige Lehrerin nennt ihr Projekt „Abenteuer: Vorlesen". In zwei Kindereinrichtungen liest sie den Kindern aus Büchern vor, vermittelt und erklärt ihnen die Inhalte und bringt ihnen auf fantasievolle Weise bei, Geschichten auch eigenständig weiter zu entwickeln. Das bereitet den Kindern sehr viel Freude. „Damit nehme ich den Erzieherinnen keineswegs die Arbeit ab oder greife in ihre Arbeit ein, ich sehe meinen Beitrag lediglich als eine Ergänzung zum Tagesablauf, der gut angenommen wird."




Benno Gütschow (Jahrgang 34), hat vor einigen Jahren seinen Wohnkreis verändert und ist aufs Land gezogen. Als eingefleischter Ehrenamtler ist es ihm ein Bedürfnis, die in der Gemeinde lebenden Senioren einander näher zu bringen. So organisiert er Grillnachmittage, themengebundene Tagesfahrten, plattdeutsche Nachmittage und ist jetzt dabei, sich konkret einzubringen, damit das Gebiet um Kösterbeck als Naturparadies noch besser genutzt werden kann.




Auch für Dr. Renate Billinger-Cromm (Jahrgang 39) könnte der Tag noch sehr viel mehr Stunden haben. Sie engagiert sich in den Bereichen Kunst und Kultur. Schon seit 2002 führt sie in Zusammenarbeit mit einem Partner aus Schweden Schwedisch-Deutsche Workshops durch. Die Senioren aus Schweden und Mecklenburg-Vorpommern kommen sich nicht nur näher, sie erlernen und erweitern auch ihre künstlerischen Fähigkeiten wie beispielsweise die Radiertechnik. Eine Ausstellung im Sozialministerium in Schwerin macht deutlich, welche Arbeiten über die Grenzen hinweg entstanden sind. In einem weiteren Projekt gibt sie ihr pädagogisches Erfahrungswissen an eine Gruppe von Studenten der Hochschule für Musik und Theater, die einen pädagogischen Abschluss anstreben, weiter. Hierbei geht es vor allem um die Vermittlung von gesellschaftlichem Breitenwissen bezogen auf verschiedene Bereiche. Beispielsweise über das Mittelalter in Verbindung mit den Opern „Margarete4' von Charles Guonod und „Die Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner.




Innerhalb des EFI-Programms gibt es neben den hier vorgestellten noch viele andere Projekte, an denen die ..seniorTrainer/in" wirken und das auch gern tun. Dennoch, das große Potential, das bei der älteren Generation vorhanden ist, wird bei weitem noch nicht ausgereizt. Vielfach, so beklagen „seniorTrainer/in", ist das Bundesmodellprojekt noch nicht bis in die Amtsstuben vorgedrungen. Engagierte Senioren stoßen oftmals auf Unverständnis und verschlossene Türen, vor allem dann, wenn es um Unterstützung geht, auch in finanzieller Hinsicht. So wird auf der einen Seite Mitwirkung gefordert, andererseits fühlen sich viele mit ihrem Engagement alleingelassen. Mit übergroßen und teuren Werbeplakaten, die allenfalls gut nach außen wirksam sind und Kursen allein ist es nicht getan. Die Kommunen und Gemeinden haben auch eine Pflicht, daran teilzuhaben, dass noch mehr Ruheständler von der kreativen Unruhe gepackt werden.


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